Betriebliche Gesundheitsförderung zur Erhaltung der Arbeitskraft
„Die deutsche Wirtschaft setzt ihre Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel“, lautet das Ergebnis einer Studie von EuPD Research in Zusammenarbeit mit der European Business School, Bertelsmann und Hans- Böckler Stiftung, BKK Bundesverband und dem Public Health Spezialisten Bernhard Badura von der Universität Bielefeld. Demnach seien nur etwa 25 Prozent der größten 800 deutschen Unternehmen an einer bedarfsgerechten und wirksamen Gesundheitsförderung bei der Arbeits- und Organisationsgestaltung interessiert.
Aus Expertensicht ist der Zusammenhang von Führungsverhalten, Betriebsklima, Arbeitszufriedenheit bzw. positivem Arbeitserleben sowie Gesundheit und die daraus resultierende Produktivität eines Unternehmens unbestritten. Das Betriebsklima ist das Resultat der intrinsischen Unternehmenskultur, ihrer Organisationsstrukturen und der Führungsprinzipien. So wird positivem Betriebsklima ein wesentlicher Einfluss auf die Zufriedenheit, das Wohlbefinden und die Produktivität der Beschäftigten zugeschrieben. Davon betroffen sind nicht nur interne Kommunikationsstrukturen sondern auch externe Faktoren, wie die Rahmenbedingungen der einzelnen Arbeitsplätze.
Nur wenige Unternehmen betreiben professionelles Gesundheitsmanagement, das auch ein Controlling der Maßnahmen beinhaltet. Hierbei sind u. a. Daimler AG, Bosch GmbH und BASF AG als Vorreiter zu nennen. Dort werden schon die Auszubildenden im ersten Lehrjahr zu gesundem Arbeitsleben angeleitet, was viel mehr bedeutet als die Teilnahme an Betriebssportgruppen. Neben genügend Bewegung werden verschiedene Entspannungstechniken erlernt und großen Wert auf gesunde Ernährung in den Betriebskantinen gelegt. Auch einfache Maßnahmen stehen auf der Präventionsagenda: regelmäßige Raumlüftung, richtige Sitzhaltung beim Arbeiten am PC oder Lärm– und Emissionsregulierung bei der Produktion.
Mehr Bewegung in Unternehmen (Foto: aboutpixel)
„Förderung und Erhaltung der Gesundheit ist humaner und effizienter als die Behandlung Erkrankter“, so der Leitsatz von Badura. Es gilt, nicht nur dem Einzelnen, sondern ganzen Organisationen, d.h. Menschen in ihren Lebenswelten (Setting- Ansatz) aufzuzeigen, welche gesundheitlichen Stärken und Potenziale vorhanden sind.
Stärkung der Arbeitskraft (Foto: aboutpixel)
Die Reformen des Bundes Gesundheitsministeriums unterstreichen diesen Perspektivwechsel, bei dem es nicht mehr nur um das Vermeiden oder Reparieren von Krankheiten geht sondern vorrangig darum, die bestehende Gesundheit zu erhalten, langfristig und nachhaltig zu fördern, um so die Arbeitskraft zu stärken und die Produktivität zu steigern. Damit erhält die Prävention für Unternehmen einen neuen positiven Aufforderungscharakter, der auch vielerorts von den gesetzlichen Krankenkassen mit speziellen Programmen finanzielle Unterstützung erfährt.
